Die Rote Plattform

der SPD im Kreis Düren

Heiner Geiß

14.11.07

Heiner Geiß im April 2006
OV Jülich

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Warum ich in der SPD bin

Es hat damals, 1971, keinen speziellen besonderen Grund gegeben, dass ich als Student in die SPD eingetreten bin. In der Rückschau spielen der „Zeitgeist“, mein Studienkollegen, die Abnabelung vom Elternhaus und der erste wirkliche Kontakt mit der realen Welt eine Rolle. Dies alles aber lange vor 1971.
Schon früh hat mich Geschichte fasziniert, besonders die der Neuzeit. Amerikanische und französische Revolution, Preußen vor und nach Napoleon, die ersten demokratischen Bewegungen in Deutschland von 1832. Und schließlich die bürgerliche Revolution von 1848. Ich hatte überwiegend konservative Geschichtslehrer, die es irgendwie, aber sicher ungewollt, geschafft haben, mein Interesse an aktueller Politik zu wecken.
Gleichzeitig hat der Sport mehr oder weniger ebenfalls ungewollt in der Person des CDU-Bundestagsabgeordneten Christian Lenzer dazu beigetragen, dass ich für mich beschloss: „diese Partei (CDU) werde ich nie und nimmer unterstützen“. Lenzer war nämlich ein einigermaßen passabler Tischtennisspieler und als solcher in einem Verein öfters mein Gegner bei Turnieren. Ich habe meistens verloren, weil ich mich zu sehr über seine arrogante Art geärgert habe, was wenig mit Rationalität aber viel mit Gefühlen zu tun hatte. Also als 15-jähriger keine CDU.
Letztlich entscheidend war aber, dass ich bereits während meiner Schulzeit auf vielfältige Weise mit Kommunismus, Sozialismus und Sozialdemokratie in Berührung gekommen bin – theoretisch. In Hessen gab und gibt es wie in anderen Bundesländern die Landeszentrale für politische Bildung. Sie wurde Anfang der 60-er Jahre von einem – linken – SPD-Bundestagsabgeordneten geleitet, den ich während eines einwöchigen Kurses kennen gelernt habe. Wir haben uns damals intensiv Gedanken über das Thema „Kann die Demokratie sich selbst abschaffen?“ gemacht. Besser: dürfen Demokraten es zulassen, dass Nicht-Demokraten sich demokratischer Mittel, zum Beispiel allgemeiner, freier und geheimer Wahlen, bedienen um die Demokratie zu beseitigen. Wir mussten uns für diese Frage intensiv mit der Weimarer Republik, dem Ermächtigungsgesetz und dem Hitlerregime beschäftigen. Und eben mit Sozialismus und Kommunismus, mit Marx, Lasalle, Lenin, der russischen Revolution, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.
Ich war fasziniert davon, wie sich die Sozialisten in den verschiedenen europäischen Ländern häufig unter Lebensgefahr, immer mehr Freiheiten erkämpft haben gegen totalitäre Regime. Ich war berührt und beeindruckt, wie Sozialdemokraten sich so lange wie möglich gegen das Nazi-Regime gewehrt haben und die schrecklichen Folgen für die Welt.

1. Antwort : nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg. Die SPD ist die einzige Partei, die sich durchweg für Demokratie und Freiheit eingesetzt hat
Während meiner Studienzeit bin ich natürlich intensiv mit der Studentenbewegung in Berührung gekommen. Selbst in der Provinz (Gießen) gab es Demonstrationen gegen die Notstandsgesetze, gegen den Schah, gegen den „Muff von tausend Jahren unter den Talaren“. Und es waren eben sozialistisch gestimmte Kommilitonen, die da auf die Straße gingen. Ich habe mich ihnen angeschlossen, weil ich damals Notstandsgesetze für überflüssig und für die Demokratie für schädlich hielt (auch wenn die SPD da mitgemacht hat)

 

 

2. Antwort :bewahrt die Demokratie, keine Notstandsgesetze
Es war Aufbruchstimmung, und ich wollte beitragen zum Ende der Nachkriegszeit. Das hieß vor allem:

 

3. Antwort : weg mit den Konservativen, den Reaktionären
Letztlich entscheidend für den Eintritt in die SPD waren dann aber Willi Brandt und Herbert Wehner. In einem so extrem sozialdemokratisch geprägten Umfeld wie in Hessen-Süd, mit seiner sehr alten Arbeiterkultur und gleichzeitig seiner doch eher rationalen Sicht der Politik – Stamokap und SDS spielten keine wirkliche Rolle an der TH Darmstadt – konnte ich mich nicht wirklich „raushalten“. Zumal mein engster Studienfreund Horst Wohlfahrt (später bei den Grünen und einer der Gründer einer „Tschernobyl-Initiative“ für strahlengeschädigte Kinder, leider im März 2003 gestorben) mich gedrängt hat, in einer Gruppe aktiv zu werden, die sich um Kinder in einem sozialen Brennpunkt in Darmstadt kümmerte. Diese Gruppe war von Jungsozialisten (übrigens unter den misstrauischen Blicken der damaligen SPD-Führung) ins Leben gerufen worden.

 

4. Antwort :Solidarität und Hilfe für Benachteiligte und Schwache
In dieser Zeit habe ich dann auch begonnen, mich intensiver mit der SPD-Programmatik zu beschäftigen. Das „Godesberger Programm“ enthielt so viel Dinge, die mich emotional und intellektuell angesprochen haben. Ich fand es bemerkenswert, dass die SPD sich in einem eigenen Kapitel zum Thema Wissenschaft Gedanken machte, lange bevor ich selbst daran dachte, Naturwissenschaften zu studieren.

 

5. Antwort : Die SPD hatte Politikangebote für die Zukunft, die ich bei anderen Parteien so nicht sehe.
Und warum bin ich immer noch in der SPD?
Auch dafür gibt es keine einfache Antwort. Ich halte die jetzige, von Schröder begonnene, Politik für in weiten Teilen falsch. Ich halte die jetzt handelnden Personen zum Teil für inkompetent und unfähig. Ich sehe wirtschaftsliberale Elemente bei den Spitzengenossen, die ich weder emotional noch rational vertreten kann. Es gibt wichtige Leute in der SPD, die die wissenschaftliche Mitwirkung abschaffen wollen (eine Forderung des Godesberger Programms!!). Ich frage mich, wo der „grüne“ Teil der SPD geblieben ist.

Aber: ich erfahre, dass es noch viele, gerade jüngere, Frauen und Männer in der SPD gibt, die ähnlich denken, wie ich früher gedacht habe. Dass es junge (und alte!) Menschen in der SPD gibt, die es für wichtig halten, sich Gedanken über Hilfe und Unterstützung für die zu machen, die nicht ein so „glattes“ Leben wie ich haben. Und dass es Genossen gibt, die die geballte Faust endlich aus der Tasche nehmen, um zu zeigen: wir sind für die Benachteiligten in der Gesellschaft da.
Das macht mir Mut für die Fortsetzung der schon so langen „Partnerschaft“.